Abrahams Werk
Abraham a Sancta Clara gilt als sprachgewaltigster christlicher Prediger im deutschen Sprachraum des 17. Jahrhunderts.
Er ist ganz "Kind" seiner Zeit (oder besser: vorrangigster Vertreter seiner Epoche): In einer barocken Ausdrucksweise ist seine Sprache geprägt von ausschweifenden, bildhaften und ausdrucksstarken Wortspielen, eingebunden in plastische Gleichnisse, Geschichten und sprachmächtige Wortspiele.
Abraham war zuallererst Prediger. Als Priester verfolgte Abraham mit seinem Werk hauptsächlich seelsorgerische Absichten. Sein Ziel war es in erster Linie, den Menschen seiner Zeit einen Spiegel vorzuhalten und sie so zu ihrem Seelenheil zu führen.
Der Erfolg seiner Werke und Predigten beruhte vor allem darauf, dass er die ausdrucksvolle Sprache seiner Predigten mit Bildern aus dem alltäglichen Leben seiner Zuhörer und Leser anreicherte. Er war mit seiner Spache nahe beim "Volk"; er selbst nannte seine Predigtmethode "dem Volke aufs Maul schauen".
Zum ersten Mal tritt Abraham unter dem Eindruck der Pestepideme von 1679 in Wien mit einer größeren Schrift an die Öffentlichkeit. Die Schrift "Merks Wien! Das ist: des wüthenden Tods umständige Beschreibung" (1680), in der er "den Tod als Allegorie im Geiste des damals populären Totentanzes dar", stellt den Beginn eines umfangreichen schriftlichen Schaffens und eines äußerst populären und erfolgreiches Werkes dar.
Auch für seine zweite Schrift "Lösch Wien" (1680) war die Pest Anlass und Thema.
Die Belagerung Wiens durch die Türken bildete den zeitgenössischen Hintergrund für sein Werk "Auf, auf, ihr Christen! Das ist: eine bewegliche Anfrischung der christlichen Waffen wider den türkischen Blutegel" (1683). Diese Schrift diente übrigens Friedrich Schiller als Vorlage für die "Kapuzinerpredigt" in seinem Drama "Wallensteins Lager".
Abraham veröffentlichte über die Jahre eine Reihe von Sammlungen aus unterschriedlichen Schriften und Predigten, wie etwa unter dem Titel "Reim dich oder ich lis' dich (1684).
Fast über zehn Jahre lang arbeitete er an "Judas der Erzschelm" (1686 - 1695), einem vierbändigen Werk, in dem das Leben des Judas Ischariot den roten Faden bildet für predigtartige Betrachtungen mit viel Witz, Ironie und Humor.
Eine ganze Reihe von (späten) Werken reihen einzelne Gedichte, Betrachtungen und Predigten aneinander: "Etwas für Alle (1699), "Heilsames Gemisch-Gemasch" (1704) oder "Huy! und Pfuy! der Welt" (1707). Sie sind eigentlich "Bilderbücher mit Text".
Nach seinem Tod versuchten verschiedene Verleger vom Ruhm Abrahams zu profitieren, teils wurden Werke unter seinem Namen veröffentlich, die nicht von ihm stammten.